Donnerstag, 22. Januar 2009

Von Zahnärzten und Nachkriegsarchitektur

In meiner Eigenschaft als wandelndes Observatorium durchstreife ich zu den unmöglichsten Zeiten, die unmöglichsten Gegenden Berlins.
Heute morgen war ich, vor der Arbeit, in der nähe des Kurfürstendamms unterwegs- dessen ich mich verweigere ihn Ku´-Damm zu nennen.

Naja mir fällt ja so kulturhistorisch so einiges auf, während ich da so herumlief und mich neugierig nach Mensch und Material umsah´viel mir etwas auf.
Nachkriegsarchitektur und die Verbrechen der Stadtplanung in den darauffolgenden Jahrzehnten, sowie künstlerisch völlig unbegabten Architekten und Bauingeneuren.

Berlin wurde ja bekanntlich bombardiert während des zweiten Weltkriegs.
Das hatte für die Reichspost einen Vorteil, wenn inkompetente Mitarbeiter wieder mal einen Brief verschlampten konnte dies mit dem Stempel "Ausgebombt" wieder geradegebogen werden.
Hitler und Speer rieben sich die Hände die Welthauptstadt Germania durch freigewordenen Platz zu gestalten.
Der Krieg ging glücklicherweise verloren.
Also schliesse ich mal den Kreis und kehre nun zur Gegenwart zurück.
Ich stehe da also bewundere die Verzierung und den Stuck eines Alt-Baus, geradezu vernarrt blicke ich dieses Gebäude an, wende dann meinen Blick ein Haus weiter und: Booom cest´le shock.
Das Haus wurde im handelsüblichen 50-iger Jahre Brechreiz-Stil enworfen.
Daneben ein Haus, dem man ansah das es ein Alt-Bau ist, oder war, denn alle Verzierung,welche diese Gebäude ausmacht, war verschwunden.
Mir ging ein Licht auf.
Stadtplaner und Architekten und Bauingeneure kann man als sowas wie zahnärzte Verstehen.
Da wurde ein Haus ausgebombt, eine Lücke entsteht und als ambitionierter Zahnarzt muss diese geschlossen werden, am besten mit einer Brücke.
Nun ja die Bundesrepublik Deutschland ist aber Kassenpatient, deswegen ist die Brücke nur aus minderwertigem Material und fügt sich nicht so richtig in die Zähne ein, so als würde man in ein Prozellan-Gebiss eine Holz-Brücke einbauen und nein, die ist nicht aus Mahaghoni.
Das kombiniert mit Ästhetisch orientierungslosen Architekten wirft in Berlin ein Phänomen aus, welches mich dazu bringt die Haare zu raufen.
Stehen da klassische Gebäude, streckenweise aus der Gründerzeit, kommt dann plötzlich ein Ur-hässliches Gebäude,achtlos eingefügt in die Häuserzeile, wie ein ungeliebtes Kind, als wäre der Architekt durch den Stadtplaner, der hier die Funktion des Vaterschaftstests einnimmt, auf ein ihm bis dahin unbekanntes Kind hingewisen worden, für das er nun zu sorgen hat.
Einigen Gebäuden kann man regelrecht die Frustration des Bauingeneurs ansehen, oder die mangelnde Kreativitätm, ironischer Weise befindet sich die UDK gerade um die Ecke.

Berlin ist eine Persiphlage auf sich selbst, so muss ich immer in mich hineingrinsen wenn ich mit der S-Bahn richtung jannowitzbrücke gurke.
Ich stelle mir immer dann vor wie Kaiser Willhelm der II. mit einer Axt in die Häuserzeile geschlagen hat um die Berliner S-Bahn zu installieren.

Insgesammt ist Berlin so etwas wie der Mund eines Kassenpatienten, architektonisch gesehen, ein Paar mal hatte der Patient Glück und ein paar mal war der Zahnarzt betrunken und hat sich im Material vergriffen.

So ist das, hier beim Kassenpatienten Bundesrepublik Deutschland.

1 Kommentar:

Anton Beck hat gesagt…

Eine gute Beobachtung, die auch ganz einfache Ursachen hat, denn Berlin ist durch Geschichte und Zerstörung im letzten Jahrhundert an kaum einer Stelle harmonisch gewachsen, sondern war ein Platz, an dem sich ambitionierte Architekten, Baubetreuer und Errichter von Billiglösungen nebeneinander tummelten und die Lücken zwischen den klassischen Bauwerken füllten. Nicht immer schön, aber sehr interessant.